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baden online am 26.August 2016 von Christine Marklewitz  

Die Lok 20 des Achertäler Eisenbahnvereins dampft den Problemen in der Ortenau davon: Der historische Zug wird auf die Schwäbische Alb vermietet. Sobald die Voraussetzungen für Dampfzugfahrten im Harmersbachtal stehen, soll die Lok wieder in die Ortenau schnaufen.

 

Für die Schwaben ist es eine Bereicherung ihres üppigen Portfolios, für die Badener pure Überlebensstrategie: Seit 2014 hat der Achertäler Eisenbahnverein keine Einnahmen mehr, aber die Kosten galoppieren davon. So ist die Dampflok-Vermietung ein genialer Schachzug, bis die Weichen für die geplanten Museumsdampfzug-Fahrten im Harmersbachtal gestellt sind. Über die Vermietungspläne informierte die Schwäbische-Alb-Bahn am Freitag in einer Pressemitteilung.

Ihre Heimat hatten die Dampfzug-Freunde ursprünglich im Achertal. Hier verkehrte der Ortenauer Verein in den Sommermonaten und an Feiertagen mit der Lok 20 regelmäßig zwischen Achern und Ottenhöfen und verdiente sein Geld. Doch 2014 wurde die Gemeinschaft heimatlos: Die SWEG benötigte die Halle in Ottenhöfen selbst – seither fristete die Lok 20 mit ihren drei Waggons ihr Dasein ungenutzt in einem Offenburger Lokschuppen.

Auf die prekäre Lage seines Vereins angesprochen, befürchtete der Vorsitzende Bernd Roschach noch im Frühjahr das Schlimmste – dass der Verein über 2016 hinaus keine Zukunft hat. Er schaute sich händeringend nach einem Partner um. Denn bis die Pläne einer Museumsbahn im Harmersbachtal umgesetzt sind, brauchen die beteiligten Kommunen noch einige Zeit – und vor allem Geld. Das Vorhaben wird sie geschätzt rund eine halbe Million Euro kosten, da ein Lokschuppen saniert und Gleise verlegt werden müssen.

Klares Signal

Jetzt ist Roschach zuversichtlich, dass der weitere betriebsfähige Erhalt der Fahrzeuge in der Übergangsphase gelingt. Durch die Vermietung des historischen Zugs an den befreundeten Verein verdienen die Ortenauer das nötige Geld für Wartung und Unterhalt. »Es wäre fatal gewesen, wenn die Fristen der Lok und der Wagen bis zum Neustart im Harmersbachtal abgelaufen wären.« Der Verein hätte von vorn anfangen müssen.

Ein klares Signal kam auch aus dem Harmersbachtal: Das Projekt werde von den Talgemeinden weiterbetrieben, versicherte der Oberharmersbacher Bürgermeister Siegfried Huber. Der »Ausflug ins Schwäbische« der Eisenbahnfreunde sei eine Übergangslösung, vor allem, um die hohe Pacht für die Lokhalle in Offenburg zu sparen.

Die Lok 20 wird mit ihren Waggons bereits in den nächsten Tagen auf die Alb schnaufen. Ihre Jungfernfahrt hat sie am 4. September: Die Schwäbische-Alb-Bahn präsentiert sie beim »Bier-Express« auf der Strecke Engstingen – Schelklingen. Ab Mai 2017 steht der historische Dampfzug für Sonderzüge und das Charterprogramm zur Verfügung.

Die Lok 20 wird nicht der einzige Grund sein, weshalb die Badener und die Schwaben weiter engen Kontakt halten werden: Für Bernd Roschach ist die Entwicklung der Schwäbischen-Alb-Bahn Vorbild für die Pläne im Harmersbachtal. Seit 2003 setzen sich die 260 Mitglieder für die  Eisenbahngeschichte ein, haben die 43 Kilometer lange Strecke mit breiter kommunaler Unterstützung wiederbelebt, einen neuen Lokschuppen gebaut und den touristischen Verkehr mit historischen Schienenbussen und Dampfzügen eingeführt.

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