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Badisch Zeitung am 27.August 2016  Ortenau/Münzingen (BZ)

Mehr als drei Jahrzehnte dampfte sie zwischen Achern und Ottenhöfen: Jetzt dampft sie ab nach Schwaben. Der historische Dampfzug mit der Lok 20 fährt künftig auf der schwäbischen Eisenbahn.

 

Mehr als drei Jahrzehnte gehörte er zum vertrauten Bild zwischen Achern und Ottenhöfen: der historische Dampfzug der Achertalbahn. Bereits in den nächsten Tagen wird die Dampflok samt den drei Personenwagen auf der Schwäbischen Alb erwartet. Dies haben der Achertäler Eisenbahnverein (AEV) und die Schwäbische Alb-Bahn (SAB) am Freitag bekanntgegeben. AEV-Vorsitzender Bernd Roschach und SAB-Chef Bernd-Matthias Weckler betonen das Ziel der Kooperation: "Beide Vereine wollen sich gemeinsam für das historische Erbe des Dampfzugs der Achertalbahn einsetzen."

Schon bald werden die urbadischen Fahrzeuge zusammen mit den SAB-Wagen auf der Schwäbischen Alb zu erleben sein. Für das kommende Frühjahr sind gemeinsame Fahrten der badischen Lok 20 mit der württembergischen T3 unter dem Motto "Baden-Württemberg-Dampf" geplant. Gepflegt und betrieben wurde das badische Zügle über viele Jahre von den ehrenamtlichen Mitgliedern des Achertäler Eisenbahnvereins. Nachdem die Unterbringung von Lok und Wagen in Ottenhöfen nicht mehr möglich war, musste der Fahrbetrieb 2013 aufgegeben werden.

Daraufhin erstellte der AEV ein neues Konzept für einen Museumsbahnbetrieb im Harmersbachtal. Als erste Übergangslösung wurden die Fahrzeuge in einem Lokschuppen in Offenburg untergebracht. Allerdings muss der AEV dafür Mietkosten aufbringen, die ohne die Einnahmen aus dem Fahrbetrieb nicht mehr gestemmt werden können. Die betriebsfähigen Fahrzeuge stehen seither ungenutzt im Schuppen. Roschach verhandelte mit Museumsbahnen in Baden.

Durch die Kooperation mit der SAB können nun die erforderlichen Mittel generiert werden, um die Unterhaltung sowie die anstehenden Untersuchungen sicherzustellen. "Die Rahmenbedingungen für die Erhaltung des Kulturguts Eisenbahn mit über 100 Jahre alten Fahrzeugen werden für alle Vereine in Deutschland immer schwieriger, ich sehe die Zukunft der Museumsbahnen daher vor allem in Kooperationen" sagt Bernd-Matthias Weckler. Roschach ist zuversichtlich, dass der weitere betriebsfähige Erhalt der Fahrzeuge durch die Vermietung des Zugs an die SAB gelingt. In den kommenden Monaten möchte Bernd er Lösungen für eine Zukunft der historischen Bahn im Harmersbachtal finden.

Der Verein der Schwäbischen Alb-Bahn mit 260 Mitgliedern beschäftigt sich seit 2003 vor allem mit der Erhaltung der württembergischen Eisenbahngeschichte. Die damals stilllegungsbedrohte, 43 Kilometer lange Strecke Engstingen-Münsingen-Schelklingen wurde mit Unterstützung der Bevölkerung wiederbelebt, in Münsingen ein neuer Lokschuppen gebaut und ein touristischer Verkehr mit historischen Schienenbussen und Dampfzügen eingeführt. Für Bernd Roschach ist die Entwicklung der SAB ein Vorbild für seine Pläne im Harmersbachtal.

Als die Württemberger Eisenbahnfreunde auf der Schwäbischen Alb hörten, welche Probleme sich für die Badener aufbauten, handelten sie rasch. "Viele historisch wertvolle Relikte aus der großen Zeit der Eisenbahn sind verloren gegangen, weil rechtliche, politische oder technische Vorgaben dem Erhalt entgegengestanden", sagt Bernd-Matthias Weckler. So seien nur wenige württembergische Fahrzeuge erhalten geblieben. "Wenn wir nun unseren Teil dazu beitragen können, dass ein Teil des Achertäler Zuges mit seinen historisch wertvollen Fahrzeugen erhalten werden kann und wir damit gleichzeitig das Projekt im Harmersbachtal unterstützen können, werden wir damit unserer Verantwortung für die Bewahrung der gemeinsamen Geschichte als baden-württembergische Eisenbahnfreude insgesamt gerecht."

Erstmals wird die Lok 20 am 4. September beim "Bier-Express" auf der Alb präsentiert. An diesem Tag wird das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebots des deutschen Bieres gefeiert. Ab Mai 2017 stehen Lok und Wagen für Sonderfahrten bereit.

Weitere Infos zu Sonderfahrten unter  07381/5017556 oder per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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